Was ist Mentoring und wieso ein Mentoring-Programm?

Stand schon in der griechischen Dichtung der Begriff Mentor für einen väterlichen Freund und Berater, der einen Anvertrauten in die Gesellschaft einführte, wurde die wohlwollende und unterstützende Begleitung von Nachfolgern, seltener von Nachfolgerinnen, in vielen gesellschaftlichen Bereichen über Jahrhunderte meist informell praktiziert.

Während informelle Mentoring-Beziehungen durch persönliche Initiative und Kontakte zustande kommen, werden in Mentoring-Programmen die Partnerschaften im Rahmen von strukturierten Konzepten initiiert und begleitet. Mentoring-Programme sind in einen Zielkontext eingebettet und werden durch unterstützende Maßnahmen und Angebote ergänzt. Ausgehend von den USA wurde diese Form der Personalförderung entwickelt, um Minoritäten und Frauen besser integrieren zu können und ihre beruflichen Chancen zu erhöhen. Mittlerweile nutzen viele Unternehmen und Organisationen Mentoring-Programme, um Nachwuchskräfte zu gewinnen und zu fördern. Das gleiche gilt für generationsübergreifenden Wissensaustausch, Unterstützung von Frauen auf dem Weg in Spitzenpositionen und andere Zielstellungen. Seit 1999 wird in Deutschland Mentoring auch zur Förderung von Frauen im politischen Bereich erfolgreich durchgeführt.

Im Politik-Mentoring fördert eine versierte Politikerin (Mentorin) oder ein versierter Politiker (Mentor) die Entwicklung einer Nachwuchspolitikerin (Mentee). Die Mentorinnen und Mentoren unterstützen ihre Mentees bei der Entwicklung ihrer Fähigkeiten und Kompetenzen, helfen ihnen bei ihren (ersten) Schritten auf dem öffentlichen Parkett und begleiten sie eine Zeit lang auf ihrem politischen Weg.

Mentees profitieren vom "Reinschnuppern" in die Kommunalpolitik. Sie werden im Mentoring in ihrer politischen Kompetenz, ihrer Persönlichkeit und ihrer Selbstwahrnehmung gestärkt. Sie können eine ganze Menge lernen: wie sie sich in Gremien positionieren, wie sie einen Wahlkampf erfolgreich gestalten können, wie sie mit politischen Akteuren sprechen und wie sich mit ihren Themen platzieren können. Durch den Austausch im Mentoring werden sie zur intensiven Reflexion angeregt und gewinnen noch mehr Klarheit über die eigenen Motive, Fähigkeiten und Möglichkeiten.

Mentoren und Mentorinnen können ihre eigenen Erfahrungen, ihre poltischen Strategien und ihre persönliche Vorgehensweise reflektieren. Mentorinnen und Mentoren berichten davon, durch Fragen und Rückmeldungen der Mentees den "Blick für das eigene Tun geschärft" zu haben. Sie bekommen Einblicke in die Lebenssituation und Perspektiven von engagierten Nachwuchspolitikerinnen. Dazu gehören Themen, die Frauen "an der Basis" beschäftigen ebenso wie der Blick auf kommunale Strukturen.


Quelle

Auszug aus der Mentoring-Handreichung. Das Handout können Sie hier als pdf-Dokument herunterladen.


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